Kamerad Klingen - MK Rheydt

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Kamerad Klingen

Die Zeitschrift "Der Niersbote" berichtete im Juni 2009:


-Niersbote-Aktion-gegen das Vergessen.
-Persönliches Kriegstagebuch verschenkt.

Grund zur Freude hatten Ernst Klawuhn und Wolfgang Viergutz von der
Marine Kameradschaft Rheydt.

Jacob Klingen schenkte ihnen für den Verein persönliche Unterlagen.
So ein handgeschriebenes Tagebuch aus den 30er Jahren und Original Bordzeitungen
von seinen Einsätzen bei der Kriegsmarine.

Klawuhn und Viergutz einstimmig:
"Diese Unterlagen haben einen ganz besonderen Wert !"
Die Unterlagen wurden dem marinehistorische Archiv des Deutschen Marinebundes in Laboe übergeben.

Seit anderthalb Jahren lebt der annähernd 92-Jährige im Wickrather Altenheim.
*


Jacob Klingen -auch heimatlich als "Klinge Männ" bekannt- hatte sich 1936 freiwillig für den
Dienst bei der Reichsmarine gemeldet.
Vorher war er Betriebslehrling bei einer Wickrather Tuchfabrik.

Er erinnert sich: "Ich war sehr dünn. Meine Mutter war fest davon ausgegangen,
dass ich sowieso nicht genommen werde.
Als ich dann nach 3 Musterungen die Bestätigung bekam, hat sie fast einen Schlag bekommen."

Er war damals 20 Jahre alt und abenteuerlustig.
Ein Bekannter hatte ihn "heiß" gemacht, wie er sagt, doch: "Wenn ich gewusst hätte,
dass es Krieg gibt, hätte ich es vermutlich nicht getan", so Klingen.

Zum Einmarsch der Deutschen in Polen am 1. September 1939
vermerkte er in seinem "Tagebuch Nr. 2":


Seit heute morgen 05:45 Uhr steht Deutschland mit Polen im Krieg.
Die ersten Meldungen bringen diese Nachricht, und gleichzeitig auch die Nachricht,
daß Danzig zum Reich zurückgekehrt ist.
Nun heißt es natürlich sich kampfbereit zu machten. ... Im Laufe des Tages kamen
Sondermeldungen, wonach Frankreich und England auch mobil gemacht haben.
Bei jeder Meldung wurde der Radioapparat gestürmt, um die Neuigkeit mitzubekommen".

An Bord des schweren Kreuzers "Admiral Hipper"gab es alles,
was zum täglichen Leben benötigt wurde.
Neben einer Bäckerei, einer Wäscherei und einer Schneiderei existierte sogar eine
Borddruckerei, die eine Bordzeitung druckte.

Alle paar Tage wurde die Besatzung über das Blatt mit Propaganda-Beiträgen,
aktuellen Bordfunknachrichten und unterhaltsamen Beiträgen versorgt.

Hin und wieder waren sogar "Kleinanzeigen" drin, so konnte man sich z.B.
fotografieren lassen, um danach das Foto seinen Lieben in der Heimat zu schicken.


Jacob Klingen war Geschützführer in der Mittelartillerie des schweren Kreuzers
"Admiral Hipper", und auch zuständig für die Kadettenausbildung.


Heimathafen des "Hipper" war zunächst Hamburg, - später Gotenhafen bei Danzig.
Einsätze waren u.a. in der Ostsee und im nördlichen Eismeer.

Jacob Klingen litt, wie viele seiner Kameraden unter Vitaminmangelerscheinungen.
Er erinnert sich: "Es ist schon ein schlimmes Gefühl, wenn man
seine eigenen Zähne wie Kirschkerne ausspuckt.
Deshalb bekamen wir auch extra Landgang zum Waldbeerenessen".

Später warJacob Klingen auch Geschützführer auf dem Kreuzer "Lützow".

Als es im Rheinland gegen Ende des Krieges immer unsicherer wurde, wollte er
seine Frau "Nettsche", die aus Jackerath stammte, zusammen mit seinem Sohn
in Sicherheit nach Danzig holen, doch das endete dann später tragisch:
"Am 30. Januar 1945 sind beide mit dem Flüchtllingsschiff "Wilhelm-Gustloff"
untergegangen"", so Jacob Klingen.

Insgesamt waren in der eisigen Ostsee damals mehr als 9000 Menschen umgekommen.

Am 17. März 1945 war in Swinemünde für Jacob Klingen der Krieg zu Ende:
"Infolge einer Luftmine brach die "Lützow" auseinander, erzählt Jacob Klingen.
Er wurde gerettet, und mit ihm sein Tagebuch Nr. 2 -sein erstes Tagebuch blieb
in der Ostsee.

Nach dem Krieg wollte er eigentlich zur Handelsmarine, blieb dann aber doch in
Wickrath, und wurde Angestellter in einer Tuchfabrik.

1950 war er Gründungsmitglied der Marinekameradschaft Wickrath.
Bordlokal sei damals bei "Obholzer" in Wickrath gewesen, erzählt Jacob Klingen.
Weil der Nachwuchs fehlte, ging die Kameradschaft später in die Brüche.

Umso mehr freut sich Jacob Klingen, in Ernst Klawuhn und Wolfgang Viergutz
zwei fachkundige Gleichgesinnte gefunden zu haben, mit denen er
stundenlang fachsimpeln kann.

Am 19. September 2009 feiert die Marine-Kameradschaft Rheydt und Umgebung
von 1899 ihr 110-jähriges Jubiläum, und da wollen sie den
rüstigenMarine-Kameraden unbedingt dabei haben. (H.G.Wö)




*Anmerkung im Mai 2010:


Am 28.Mai 2010 hat Jacob Klingen seine letzte Reise angetreten.


 
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